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Aufbruch














Aufgeschüttet war der kleine Schutzwall nicht lange. Verdurstet sind wir nicht, verhungert auch nicht. Warum auch, es gibt von allem genug. Auch von uns selbst und unseren Bedürfnissen. Ja, das ist ein Dilemma, das gelöst werden muss, sagen die einen schon lange. Löst sich irgendwann von selbst, sagen die anderen. Wer wohl recht behält, wenn das Rennen wirklich losgeht? Ich meine richtig, also nicht nur bisserl Distanz halten und Hände waschen. Hat jemand begriffen, worum es geht?

Zeithorizonte lassen sich erst im Nachhinein ermessen. Es braucht also immer wieder den Blick zurück. Und es gibt noch Lebende, die schon eine Menge solcher Zeitgeschichten erlebt haben. Angefangen von den Entwurzelungen jeglicher menschlichen Vernunft bis zu dem Leim, der korrigierend darüber gekleistert wurde, bis die Bruchstellen vernarbten. Jedoch nicht verheilten. Wer verordnet also, was richtig ist und was falsch? Wer sagt, wir wären frei? Und wie können wir das wissen?

Der Aufbruch «nach Corona», also der Weg zurück in die Zukunft, ist mehr als nur ein Schritt nach vorn. Es hängen alle Konsequenzen der Vergangenheit - und diese ist alles, was wir kennen - am zeitlichen Horizont.



Katatonisches Fieber am Horizont

erzittert Wut aus dem Nichts ist

ein Nichts entstanden vor Ort war

Himmelblau. Da haben wir gelebt.

Noch gestern war die Farbe unterlaufen

aus roten Schildern wucherten die

Zigarettenstummel landen immer noch

im Rinnstein. Da haben wir gebrannt.

Morgen wissen wir nicht auszuhalten

ist der Zustand nicht besser auch nicht

Wiederholungen nutzen sich ab wenn

alles ohne Grund. Da haben wir gewartet.

Bis der nächste Sturm.

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